Alexander König

Alexander König  — Vorwort
Zum diesjährigen Winterrundgang der Spinnerei Galerien stellt Alexander König drei Arbeiten in der Filipp Galerie vor, denen der Titel der Präsentation »Vorwort« in mehrfacher Hinsicht gerecht wird.

Ausgang der Arbeiten sind die sogenannten Meisterstiche von Albrecht Dürer, die in den Jahren 1513 und 1514 geschaffen wurden. König eignet sich, quasi als Jubiläumsausgabe zum 500. Geburtstag, diese Stiche an und erarbeitet aus ihrer Komposition jeweils ein neues Bild.

So dienen die Meisterstiche als Vorwort zu den Arbeiten Königs ebenso, wie die Stiche als ein Höhepunkt nordalpiner Renaissancegraphik als ein Vorwort gelesen werden können auf das Kunstschaffen an sich, wie es sich ab Dürer in Nordeuropa vollzieht. König überführt die drei Stiche in eine Malerei, die sich zwar an die Graphiken anlehnt, sie aber weder imitiert noch im klassischen Sinne interpretiert. Vielmehr entwirft der Künstler aus dem Ausgangsmaterial Arbeiten, die er voll seiner eigenen Bildrhetorik und -thematik unterordnet. Dabei spielt es für ihn keine Rolle, Bildberechtigungen zu überprüfen. Er nimmt weder eine Aktualisierung vor noch stellt er die Frage, wie es nach Dürers »Vollkommenheit« und den Zersplitterungen der Moderne denn weitergehen kann.

Die Stiche des Nürnberger Meisters geben Alexander König nur einen kompositorischen und erzählerischen Anreiz. Hierin ist er Picasso näher als den Nachfahren und Theoretikern der ›Appropriation Art‹ [1957 schuf Picasso seinen Zyklus »Las Meninas« nach Velázquez »Las Meninas« von 1656]. Dürer gibt den Anlass, herausgekommen ist König, der über Richtung, Aussage, Figuration und Dramaturgie entscheidet: Der »Melencolia« ist die Richtung der Druckplatte gegeben, wird damit sozusagen schon zum Vorwort für Dürers fertigen Stich; das Gehäuse des Hieronymus ist eine klaustrophobische, dramatische Kammer; Ritter und Tod tauschen die Rollen und forcieren sich gegenseitig, der Teufel ist im Detail, aber schwer und massiv. König hält die Kette sichtbar, die seine Arbeiten mit den »Vorworten« Dürers verbindet: Es geht ihm nicht um ein Spiel für Eingeweihte. König fokussiert in seinen Arbeiten die für seine Bildthematik wesentlichen Aspekte der Graphiken, sorgt für die Erkennung des Bezuges, aber verzichtet auf ihre immanente, für ihn jedoch nicht maßgebliche zeitgebundene Symbolik. Bildkraft steht für ihn noch vor Bilderzählung.

Noch ein weiterer Aspekt der von König gewählten Überschrift »Vorwort« soll jedoch nicht ausgeblendet werden: Die Präsentation ist ein Hinweis auf eine in allen vier Kabinetten bei Josef Filipp geplanten großen ›Alexander König: Werkschau‹ im September 2015.

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