»Konglomerat« Marc Bijl, Damien Deroubaix,
Wolfgang Ellenrieder, Sten Gutglück, Jennifer König,
Annette Kufner, Larissa Mühlrath, Eamon O’Kane,
Stefanie Pojar, Carolin Trunk
2. Juni—8. Juli 2017

Ein Konglomerat – ein Gemisch aus mehreren reinen Stoffen – ist eine heterogene Angelegenheit: fünf Positionen von Studierenden der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sind konfrontiert mit vier Dozenten-Positionen und dazwischen die von Initiator Sten Gutglück. Sein Initial für das Projekt war ein Grafikseminar an der HGB mit Christiane Baumgartner. Die Vielzahl der Beteiligten der Gruppenausstellung steht dem Thema der Schau gegenüber: es geht um Reduktion, um minimierende Abstraktion, Eliminierung von kontextbezogener Ausgestaltung, um die basalen Elemente von Formgebung und Bildgestalt. Der Versuch, mit reduzierten Mitteln komplexe Werke zu schaffen, ist in verschiedenen Medien und Genres vorgestellt.

Im Zentrum dieses Galerie-Intermezzos steht eine Art von Abstraktion, die der Betrachter zu bildhaften Konkretisationen weiterentwickelt – in dem er wie eine Kamera den Blick focussiert:  näher dran, weiter weg, Makro, Tele – die formale Vollendung und Erkenntnis von Bildgehalt vollzieht sich im Wahrnehmungsprozess, im Scharfstellen des Betrachterblicks. Punkte addieren sich zu Figuren, gegenständliche Details erzwingen Komplettierung, Fragmente assoziieren ästhetisches Eigenleben, Striche sortieren sich zu Landschaften, Helligkeitskontraste fügen sich zu Interieurs, hauchzarte Grafiken und kaum ahnbare Motive auf Linolschnitten weiten sich zu Räumen oder verdichten sich zu Stillleben.

Die ausgewählten Werke funktionieren nicht zuerst als vollendete Werke im klassischen Sinne, sondern als Angebote zum Anders-Sehen. Sie konkretisieren sich nicht im Anschauen sondern im Vervollständigen. Diese Seh-Schule verlangsamt auf verblüffende Weise das Ausstellungserlebnis und eine Unterscheidung von studentischen und Dozentenpositionen wird dabei obsolet. Den Betrachter dabei durch die Schau zu begleiten und von Werk zu Werk zu motivieren, den Blick neu einzustellen, hat sich Gutglück zur Aufgabe gemacht und seine Installation im Raum diesem Anspruch gewidmet.
—Von Tina Simon
 

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Dr. phil. Tina Simon
Autorin und Publizistin, Leipzig

 

 

 

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