Rui Zhang, CN
Sommer Kabinett
21. Juli—25. August 2018

Erstmals werden aktuelle Arbeiten der chinesischen Künstlerin Rui Zhang in der Galerie gezeigt. Im ersten Kabinett gibt es drei Arbeiten der jungen Künstlerin zu sehen, die die Sehgewohnheiten ikonographisch wie auch bildräumlich erfrischend herausfordern.

In offenen, ungesicherten Bildräumen stehen die Bildelemente kartengleich platziert und fließen kaleidoskopisch ineinander. Aus Übergängen werden so unauflösbare Verbindungen. Dem flachen Hintergrund fehlen Horizont und Schwerkraft, Halt geben nur die vielen Elemente und Fragmente, die mal kryptisch, mal offen referenziell ihren Platz halten. Es fällt nicht immer leicht, die Teile klar zu identifizieren; Körperfragmente reihen sich an Banner, popkulturelle Icons und Begriffe. Zusammengehalten und verbunden werden die allegoriehaften, leuchtenden Karten von starken, frischen Farben. Trotz Rauschen, Fülle und Dichte verliert sich die Anordnung nie in Chaos. Stattdessen präsentiert sie sich textgleich als Synthese, deren Allegorien und Bindungen verstanden werden wollen und heftig immersiv anziehen. 

Die Texthaftigkeit der Anordnungen weckt in ihrer Musterhaftigkeit zuweilen Assoziationen an Wandinschriften ägyptischer Gräber. Rui Zhang gibt uns einen Text in einer Sprache, die bildhaft ist, aber oft verschlüsselt bleibt. Geboren 1989 in China ist Rui Zhang zwischen den (kulturellen) Welten aufgewachsen, in einer Zeit der politischen und kulturellen Neuorientierung eines Landes, das sich öffnete und in dem erhaltene Versatzstücke alter chinesischer Traditionen auf die Reste der Mao-Zedong-Ära und auf Globalisierung 2.0 treffen. In ihren großformatigen Werken reagiert die Künstlerin auf den Schock beschleunigter kultureller Hybridisierung. In ihrer Bildsprache fließen verschiedenste Referenzen ineinander, verschieben und überlagern sich, bilden großflächige Gewebe, die zwischen benannter Wandfläche und Cloud schwingen. Zhang entwickelt Muster und bricht diese in Gegenmuster, ein Halten gibt es nur bei Konzentration auf einen Punkt, doch die Kontexte bleiben uneindeutig, während alle Teile nach Integration suchen. 

Rui Zhangs Bilder zeigen ein Sondieren der Differenzen und Spüren nach Ähnlichkeit und Identifizierbarkeit. Momente der Aneignung präsentiert sie in Metaphern des Einverleibens und Aufbrechens. Überlagerungen lassen Tiefen entstehen und entziehen einige Zeichen wieder der Sichtbarkeit. In ihren Bildwelten gibt uns die Künstlerin Einblicke in das, was sie beschäftigt und aufnimmt, inspiriert und vielleicht auch nur einen Moment lang stehen lassen möchte. Zugleich sind diese kulturellen Artefakte Abbildungen eines kosmopoliten Prozesses der Verortung und des Anprobierens. Sie sind die bewussten Reaktionen auf die kulturellen Wirbel einer vernetzten und immer dichter werdenden globalen Kulturlandschaft.
—Philipp Anders

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