Alina Grasmann und
Mateusz von Motz:
It’s about time
31. Juli—4. September 2021 

Die Josef Filipp Galerie freut sich die Ausstellung von Alina Grasmann und Mateusz von Motz anzukündigen. Nach ersten internationalen Erfolgen kommen die junge Künstlerin und der junge Künstler hier in Leipzig zu einem gemeinsamen Auftritt zusammen. Ihre Arbeiten könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein. Das Verbindende jedoch sind neben ihrer Präsenz in hippen Medien und diversen Online-Formaten, die Inhalte, die die Werke transportieren: It’s about time.


Ann-Kathrin Ntokalou zu den gezeigten Arbeiten von Alina Grasmann:

Alina Grasmann – Florida Räume
Was hat es auf sich mit der Wahrheit, der Wirklichkeit, der Wahrhaftigkeit? Alina Grasmanns Serie »Florida Räume« stellt die Frage nach Realität[en] und ihrer Bedeutung und konstruiert zugleich einen blank space für alle Betrachtenden. »Florida Räume« ist der Kaninchenbau und die Feuerleiter, ein weit geöffnetes Fenster – ins [N]irgendwo in Florida.

Grasmann komponiert ihre »Florida Räume« sorgfältig, legt reale Orte und imaginierte übereinander, webt Zitate ein, legt Fährten. Fünf großformatige Arbeiten [130 x 180 cm, Öl auf Leinwand] bilden den Rahmen der Serie und werden durch fünf kleinere [untitled room 1–5] miteinander in Verbindung gebracht. Fast filmisch erscheinen hier Szenen auf Leinwand, die zwar jede für sich einen Raum für Geschichten öffnen, am Ende jedoch ein gemeinsames Narrativ bilden, das wie in Dauerschleife abläuft. Die Szenen aus »Florida Räume« fließen ineinander über wie in einem Möbiusband, dessen Fläche nur eine Kante und eine Seite hat und dabei kein Unten und kein Oben, kein Innen und kein Außen erkennen lässt.

Die Serie verweigert sich einer eindeutigen Chronologie, räumt dem Faktor Zeit aber zugleich eine wichtige Rolle ein: »What year is this«, flimmert auf dem Bildschirm eines längst aus der Mode gekommenen Fernsehers in der Arbeit »house taken over«. Ist es 1993, wie das türkisfarbene Tshirt zu verraten scheint oder schlicht 2:22 Uhr? It´s about time – oder eben auch nicht. Grasmanns Bilder leben von einer mysteriösen Präsenz der Gleichzeitigkeit. Während in »yellow flower« Licht, Schatten und Reflexionen um die Aufmerksamkeit der Betrachtenden buhlen, geht eine Vase zu Bruch, schaut eine Eule zum Fenster herein [»house taken over«], läuft eine Sanduhr ab [»the continuity of parks«]. Cranachs Figuren tanzen auf einer Fototapete Ringelrei unterm Apfelbaum und feiern »Das goldene Zeitalter«, während ein iPhone-Display auf dem Nachttisch aufleuchtet und ganz andere goldene Zeiten verheißt – erneut ist es: 2:22 Uhr.

Hockneys großer »Splash« durchbricht die stille Wasseroberfläche in »blow up« und »untitled [room 3]« und mit ihr eine horizontale wie vertikale Ebene – zwischen zwei Bildern, zwischen zwei Welten. Ein Momentum, ein Bruch wie es all den Arbeiten der Serie gemein ist. Allesamt strahlen sie eine fragile Harmonie aus, eine Symmetrie und Ruhe, der jedoch stets die Ruptur schon eingeschrieben ist. Grasmanns aktuelle Serie ist Bühne eines Theatrum Mundi, löst Assoziationen aus und lädt zum Abtauchen ein. »Florida Räume« ist ein rätselhafter, erhabener Kosmos, der eine Phantastik feiert, wie sie auch den Geschichten desargentinisch-französischen Schriftsteller Julio Cortázars zugrunde liegt, dessen »Cuentos« letztlich Namenspaten dieser Arbeiten geworden sind.
—Ann-Kathrin Ntokalou

 

Philipp Anders zu den Arbeiten von Mateusz von Motz:

In seiner künstlerischen Arbeit verbindet Mateusz von Motz unterschiedlichste Techniken und Materialien. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg als Meisterschüler von Juergen Teller erweiterte von Motz das Feld seiner künstlerischen Ausbildung mit einem Masterabschluss in Bildhauerei am Royal College of Art in London. Die schon hier angelegte Bandbreite schlägt sich bis heute in einer vielgestaltigen künstlerischen Arbeit nieder. In einer Selbstbeschreibung benennt er selbst ein Talent für brutal beauty. Die brutale Schönheit ist ein zentrales als Ausdrucksmittel des Künstlers, etwa, wenn roher Beton und scheinbar makelloses Neonlicht oder Sprühfarbe und grobe Materialtexturen aufeinandertreffen. Ein anderes Ausdrucksmittel ist dessen expressiver und gestenreicher Duktus in Verbindung mit unterschiedlichen Werkstoffen. Die Kernthemen des Künstlers sind dabei: Raum, Erinnerung, Erlebnis, Dekonstruktion und die Frage nach einer je persönlichen Ikonografie. 

Im Wirken mit den verschiedenen Werkstoffen wie industriellen Materialien und Öl- sowie Sprühfarbe, aber auch Fliesen, Tapeten und Textilbezügen entstehen sehr persönliche, direkte Arbeiten, deren Ästhetik zwischen formschön-anmutig und grob und heftig variiert. Beide Pole verbinden sich in der brillanten Arbeit FUCK NORMAL I WANT MAGIC, in der die Spiegeloberfläche mit einem impulsiven Schrift-Graffito gebrochen wird. [ ... ]

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