Upcoming: Sebastian Hosu / Solo Show 
»Ballad for Space Lovers«     

Sebastian Hosus Bilder sind Freiflächen für Überraschungen und zugleich Kontrapunkte über das Streben nach künstlerischer Entgrenzung. Mit ihnen bietet der Künstler seinem Publikum ein permanentes Palaver der Farben an. In kontrollierten Eskalationsspiralen treibt er das Malmaterial sprengmeisterlich hin in ihre formalen Höhepunkte. Er weiß, wo er gegenhalten muss und er weiß, wann ein Bild seinen kompositorischen Sättigungspunkt erreicht hat.

Es gibt Bildzonen, da gleitet der Künstler vom Honig süßer Schwermut in die Kaltfront eines energiegebremsten Flächensegments. Ständig geht es auf und ab. Ruhelos schwingt er von einer Atmosphäre in die andere. Spielerisch verbindet er Selbstbestimmung mit Aufstand mit Beruhigung. Alles hoch konzentriert. Nie unaufmerksam. Nie unkonzentriert. Selbst der Zufall findet seine Rolle als Impulsgeber. Mag eine Pinselattacke auch zuweilen einem Würfelwurf gleichen, so hat dieser doch Methode. Malerische Zufälle sind ohne ihr Gegenteil, die malerischen Notwendigkeiten, gar nicht denkbar. Hosus Bilder sind Beispiele für die Kausalität im Zufälligen, das Zufällige im Kausalen, den notwendigen Zufall und die zufällige Notwendigkeit. Und zugleich macht sich dieser Maler einen Jux aus den unvermeidlichen Asymmetrien und visuellen Gewichtverschiebungen, so wie die Surrealisten ihre Neugierde auf das Unbewusste im Menschen richteten und den Zufall als Prinzip schöpferischer Unruhe zu einem Sonderforschungsbereich ästhetischer Argumentationslogik etablierten.

 

Sebastian Hosu lässt die Dinge laufen. Er will niemanden überzeugen und argumentiert trotzdem mit der Autorität kühner Kennerschaft aller Kniffe. Seine malerische Weisheit hat er nicht mit den utopisch romantischen Löffeln der Neuen Leipziger Schule gefressen, er reifte unter den heftigen Pinselschwüngen der skeptischen jüngsten Generation, die trotz des Geredes vom „Ende der Malerei“ nicht von ihrer Lieblingsbeschäftigung lassen wollten.

 

Seine Mission erschöpft sich nicht im Trost der nostalgischen Genugtuung, etwas schlagend kunstgerecht festgelegt zu haben. Er will weiter. Jackson Pollocks „action paintings“ und Max Ernsts halbautomatische Techniken des Bilderherstellens reichen ihm nicht. Derartige Konzeptionen deutet er als „zu kurz gesprungen“. Die Faszination von „Tachismus“ und „Psychischem Automatismus“ offenbart sich ihm nur dort, wo Regelbasiertheit deutlich wird. Die Nachbarschaft zur Regelfreiheit hat oftmals etwas Triviales. „In der Kunst kommt es nicht auf Begründungen, es kommt zuerst auf den Willen an“, artikuliert der Künstler 

 

Inhaltlich wie formal streben Hosus Bilder nach Rätsellosigkeit. Sie sind, was sie sind – maßgelungene Ereignisse in Farbe. Man sieht, was man sieht. Autonome Farbverhältnisse im Übergang von Abstraktion zu Konkretion. Denn oft genug gibt es figürliche Momente, die der Künstler in die Malsuppe spült oder die aus den Farbgründen auftauchen wie Herleitungen aus Prousts Poetik der unwillkürlichen Erinnerung.

 

Textauszug von Christoph Tannert

 

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