John Berry, US
Sommer Kabinett
21. Juli—25. August 2018

Von Menschen gestaltete Umgebungen und Landschaften, Gärten und Parks und industrielle Architektur: Die Bilder John Berrys sind farbstark, strahlen mit einer fast körperlichen Präsenz in den Raum und zeigen einen abstrakten Stil, der sich immer wieder dem Figürlichen bedient. Mit deutlichen Konturen und starken Farbkontrasten heben sich die Bildelemente vom Hintergrund ab oder ringen miteinander. Monolithisch stehen Felsen und andere Formen nebeneinander, schieben sich Pflanzen oder Fliegen als übergroße Pixel dazwischen. Handlung und Zufall, Wille und Struktur bilden nur schwer auflösbare Situationen aus.

In seiner künstlerischen Arbeit treiben John Berry gleichermaßen formale, ästhetische und thematische Fragestellungen um. Berrys Kunst nimmt die Ästhetik verschiedener Einflüsse auf, etwa die der Moderne, und orientiert sich gleichzeitig an der flächigen Bildlogik des Mittelalters bis hin schließlich zu den Cartoons und Videospielgrafik der 80er und 90er Jahre.

Berrys Bilder, die verschiedene Perspektiven anbieten und Setzungen fokussieren, sind Allegorien auf Situationen zwischen Ordnung und lebendigem Eigensinn. Es sind Settings, die gegensätzlich und zugleich untrennbar erscheinen. Manchmal sind es felsenhafte Gebilde, die sich fast eigensinnig in den Raum stellen und in eben jenem damit neue Fakten herstellen. Auf anderen Bildern erleben wir eine direkte Draufsicht und sehen die Repräsentation gewundener und gewucherter natürliche Formationen eines Parks.

Konzeptionell setzte sich Berry in den aktuellen Arbeiten mit Ordnungen abbildenden sowie konstituierenden Räumen auseinander, insbesondere der Rasterstruktur moderner Fabriken, die heute Lofts, Co-Working-Spaces, Ateliers und »Offices« sind, aber auch jenen der Schrebergärten und Parks. Trotz beinahe identischer, disziplinierender Formen und Erscheinungen, man denke hier auch an die Leinwand selbst, gleicht kein Garten dem nächsten. Die Umgebungen setzen den Raum und die Struktur für Kreativität, für Überschreitung und Verwerfung.

Auch mit der Leinwand scheinen die Bedingungen klar; dennoch ist der Bildträger nicht allein vorgebend, sondern schließlich vor allem erfahrend und erhaltend. Die Fläche wird zum Resonanzraum des malerischen Prozesses und seinen Ereignissen, genauso wie für Berrys Beobachtungen sozialer Gefüge und von Arbeitsumgebungen oder sein Nachdenken über Kultur und Geschichte.
—Philipp Anders
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